Das Tabuthema namens Tabu: Warum es uns schwer fällt, Tabus zu thematisieren

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„Seitdem ich denken kann, habe ich Hämorrhoiden.“ Mit diesem Satz beginnt Charlotte Roches Debütroman „Feuchtgebiete“ – und löste damit eine Welle der Empörung aus. Über die im Buch angesprochenen Tabuthemen wie Hämorrhoiden, Sexualität oder Körperhygiene lässt es sich einfach schlecht diskutieren – obwohl wir doch in einer wahnsinnig aufgeklärten und liberalen Welt zuhause sind. Aber was ist eigentlich so schlimm daran, über Dinge zu reden, die einem unangenehm oder peinlich sind?

Frauen mit starkem Haarwuchs, schwule Fußballer, Unzufriedenheit mit dem Körper – Tabus nehmen verschiedene Gestalten an, aber lassen sich in allen Lebensbereichen finden. Dabei hängen häufig Sätze wie „Das darfst du nicht“ oder „Das gehört sich nicht“ wie ein Damoklesschwert über den Betroffenen. Dabei sollte es uns doch gar nicht peinlich sein, über unangenehme Themen zu sprechen. Denn fest steht: Jeder hat etwas an sich, was ihm peinlich ist. Egal ob Cellulitis, Ängste oder „ungewöhnliche“ Vorlieben. Und trotzdem ist es oft sehr schwer, damit zu Recht zu kommen und sich seinen Mitmenschen anzuvertrauen. Wichtig ist: bloß nicht auffallen, Regelverstöße vermeiden! Häufig steht man unter großen Druck, weil es bei Tabus auch oft um Gratwanderungen geht. So „müssen“ sich Mütter in der Stillzeit genau an die Norm halten: Wer zu früh oder zu spät abstillt, läuft Gefahr, böse Blicke oder gar Anfeindungen auf sich zu ziehen.

Mutig sein!

Nicht jeder kann oder will wie Thomas Hitzlsperger, Charlotte Roche oder Conchita Wurst öffentlich Tabus brechen. Ein Tabuthema anzusprechen erfordert ganz klar eins: Stärke. Es kostet häufig viel Überwindung über das zu sprechen, was einem peinlich ist und für „die Gesellschaft“ möglicherweise als Tabu gilt. Dabei können Betroffene schnell in eine Doppelbelastung hineinrutschen: Wer beispielsweise an Inkontinenz leidet, dem fällt es wahrscheinlich sehr schwer, offen über seine Erkrankung zu sprechen. Neben der körperlichen Belastung tritt dann noch eine seelische hinzu. Die Folge im schlimmsten Fall: eine Abwärtsspirale – den Betroffenen geht es zunehmend schlechter und sie fressen ihren Kummer regelrecht in sich hinein. Ein Patentrezept für das Aufbrechen von Tabus gibt es zwar nicht, aber es lohnt sich, den ersten Schritt zu wagen und sich engen Freunden oder der Familie anzuvertrauen. Häufig stellt man sich solche Gespräche schlimmer vor, als sie im Endeffekt sind. Gerade Menschen, denen man vertraut, reagieren in emotionalen Momenten meist gelassener auf Bekenntnisse zu Krankheiten, Süchten oder Essstörungen.

Wundermittel: das offene Ohr

Sicherlich quält viele Betroffenen eine Frage: „Wie sag ich’s nur?“ Nehmen Sie sich ruhig Zeit, aber: Trauen Sie sich! Ein Tabu offen und ehrlich anzusprechen, kann häufig wie ein Befreiungsschlag wirken. Gerade in Partnerschaften profitieren häufig beide Seiten von einem ehrlichen Gespräch. Denn in den meisten Fällen stellt sich heraus, dass gewisse Ängste oder Schamgefühle vollkommen unbegründet sind. Denn wer sagt eigentlich, dass Sie die einzige Person auf der Welt sind, die Kummer hat? Was Betroffenen am besten hilft, ist ein offenes Ohr: einfach zuhören, das Gegenüber bedingungslos akzeptieren und mit eigenen Urteilen zunächst einmal sparsam umgehen. Möchten Sie Ihr Tabu hingegen lieber anonym ansprechen, können Sie sich an Beratungsangebote wie die Telefonseelsorge wenden.

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